Schöne Ferien!

Vor dem Fenster hüpft ein Spatzenpärchen über den Rasen. Suchen die beiden Vögel gemeinsam nach Futter oder ist das schon die Balz? Ich werde sie im Auge behalten.

Allmählich wird´s grün an der Aurach. außerdem ist das Wetter einfach herrlich – Corona hin oder her.

03. April 2020: Heute ist der letzte Schultag vor den Ferien. Endlich, haha. Natürlich kann ich nicht darüber lachen. Morgen, am Samtag, hätten wir uns eigentlich auf den Weg nach Usedom gemacht, wo wir die Osterferien verbringen wollten. Dort hätten wir in einem kleinen Örtchen gewohnt, direkt am Haff. Es ist einen Steinwurf von der grünen Grenze nach Polen entfernt. Der Ort hat einen winzigen Hafen mit einem Fischerboot, einer Räucherei und einem kleinen Restaurant. Es gibt nicht viel, aber es ist perfekt. Fisch, ein herbes Bier, frisch wie die Ostsee, viel braucht es hier nicht, um glücklich zu sein. Auch für die Kinder ist es perfekt. Wir haben einen großen Garten, ein Reiterhof ist nicht weit. Für meinen Sohn gibt es direkt am Hafen einen Bolzplatz. Dort spielen wir jeden Tag nach dem Frühstück Fußball, manchmal nachmittags nochmal und er jagt mir die Bälle um die Ohren. Davor, danach und eigentlich immer mal zwischendrin schauen wir nach oben. Denn man kann hier den lieben langen Tag nur dasitzen und Vögel beobachten. Das Highlight sind die Seeadler. Wenn ein ausgewachsener Vogel auftaucht, erkannt man das an den anderen Vögeln. Die sehen dann zu, dass sie in die Luft kommen. Seeadler sind fantastisch. Man sieht aber auch Milane, Falken, natürlich Möwen, Krähen und alle möglichen Wasservögeln. 

Statt Adlern beobachte ich jetzt Spatzen. Aber selbst die sind inzwischen verschwunden. Gerade noch hatten sich weitere Vögel zu dem Pärchen gesellt. Wahrscheinlich war´s den beiden zu bunt. Das spricht natürlich doch für Balz, ist ja Frühling. Heute muss mein Sohn aber noch einmal lernen. Letzter Schultag zu Hause – fürs erste…

Bargeld für Schüler – und Online-Programme

Die Klassenlehrerin meines Sohnes ist engagiert. Sie hat die Kinder bisher mit reichlich Stoff versorgt und für die Osterferien noch einmal reichlich nachgeladen. Was ich gut finde: Es sind nicht nur stumpfe Mathe- und Deutschaufgaben, sondern sie hat auch immer spielerische Elemente oder etwas hzu malen dabei. Oder Dinge, die Kinder gern machen, weil sie ihnen das Gefühl geben, unabhängiger oder größer zu werden. Mein Sohn liebt es mit echtem Geld zu rechnen.

Außerdem hat die Lehrerin drei Online-Lernprogramme eingeführt. Sie hat jedem Kind persönliche Login-Daten zugesandt. Es gibt den Zahlenzorro, wie der Name schon sagt, ein Mathe-Programm; Andolin, ein Konzept, das Kinder zum Lesen animieren soll und den Leseludi, für Rechtschreibung und Sprachgefühl. Alle Programme funktionieren nach demselben Prinzip. Wer eine Aufgabe richtig löst, bekommt dafür Punkte. Diese werden am Ende zu einem Gesamtergebnis zusammengezählt, das mit jedem Mal wächst. Was mir wiederum gefällt: Die Kinder sehen nur ihren Score und haben keinen Vergleich zu ihren Mitschülern. Und sie merken, was sie noch nicht so gut können.

Wirklich interessant finde ich persönlich Andolin. Hier geht es um Bücher, die die Kinder gelesen (oder gehört) haben müssen. Denn sie müssen Fragen zum Inhalt beantworten. Unser Sohn hat ganz ordentlich gepunktet, was er vor allem zwei Buchreihen liegt: Zum einen „Die Abenteuer des kleinen Drachen Kokosnuss“ und „Die Schule der magischen Tiere“. Ich muss zugeben, die Bücher selbst gelesen hat er kaum. Sein Wissen verdankt er vor allem seinen Eltern, die die Geschichten super fanden und so nach und nach alle fast Bücher besorgt haben. Aber immerhin hat er zugehört. Bei „Die Schule der magischen Tiere“ ist es ähnlich. Allerdings gibt es hier tolle Hörbücher und -spiele. Inhaltlich geht es um eine besondere Schulklasse mit einer geheimnisvollen Lehrerin. Jedes Kind bekommt nach und nach ein magisches Tier geschenkt, das sprechen kann.

Meine Stunde wird kommen

Die Andolin-Bibliothek ist umfangreich. Sogar die „Harry Potter“-Bücher sind aufgeführt und es gibt für jedes einzelne ein Quiz. Die Abenteurer des kleinen Zauberers hat mein Sohn bisher noch nicht gelesen oder gehört, dafür ist er zu jung. Allerdings konnte ich mich nur schwer beherrschen, die Finger von dem Quiz zu lassen. Ich habe alle Bücher verschlungen, die Filme mehrfach gesehen und die DVDs stehen im Schrank. Aber ich bin ein vorbildlicher Vater. Meine Harry-Potter-Punkte hätten das Ergebnis meines Sohnes verfälscht. Ich kann warten. Meine große Stunde wird kommen, wenn diese verdammte Krise vorbeigeht…

Mit Programmen wie dem Zahlenzorro werden in den vergangenen Wochen viele Schüler gearbeitet haben.

Das heißt, einmal ist sie schon gekommen. Ich muss gestehen, da konnte ich mich nicht beherrschen. Damit kommen wir zum Zahlenzorro, dem komplexesten und vielfältigsten der Programme. Hierbei können die Kinder aus verschiedenen Themenbereichen wählen, Knobelaufgaben lösen, Plus und Minus sowie Mal und Geteilt Aufgaben rechnen, ja sogar gegeneinander im Wettrechnen antreten. Außerdem können sie den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen. Die einzelnen Jahrgänge sind in die vier Schwierigkeitsbereiche Herbst (Schuljahresangang), Winter, Frühjahr und Sommer (Schuljahresende) unterteilt.

Jetzt komme ich zu meinem schwachen Moment: Mein Sohn hatte sich für eine Knobelaufgabe seinem Alter entsprechend entschieden. Mir schienen die Aufgaben und vor allem der Rechenweg ziemlich komplex, zu komplex für ihn. Da ich vier Wochen mit dem Kind jeden Tag gerechnet habe, weiß ich ungefähr, was er können muss. Diese Knobelaufgaben lagen jenseits dieses Horizonts. Also half ich ihm und gemeinsam und mit etwas Mühe konnten wir die Aufgaben lösen. Jetzt wollte ich aber wissen, wie schwer solche Aufgaben in der höchsten Stufe sind. Ich wählte darum 4. Klasse, Sommer. Ich war überrascht. Aus meiner Sicht waren diese Aufgaben für die höhere Stufe vom Rechenweg her nicht so schwer wie die für das Alter meines Sohnes. Die Zahlen waren zwar in höheren Bereichen, aber vom Denken her verhältnismäßig simpel zu lösen. Trotzdem: Die Punkte, die es dafür gab, müssen wir am Ende vm Konto des Jungen abziehen. Am Ende, wenn alles wieder seinen gewohnten Gang geht und wenn wir wieder selber entscheiden können, ob wir Spatzen oder Seeadler beobachten. Jetzt sind aber erstmal Ferien.    

Veröffentlicht von matthiashwitte

Vater, Journalist, Geschichtenerzähler, Sprecher, Moderator

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: